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WEIN AUS DER WÜSTE - Lanzarote

Schon in der Bibel kann man lesen, wie Jesus das Unmögliche möglich machte und Wasser zu Wein verwandelte. Die Lanzarotenos stehen vor keinem leichteren Problem: Wie ringt man der Wüste den köstlichen Traubensaft ab? Mit reichlich Erfindergeist schaffen sie es und das Ergebnis ist schon seit Jahrhunderten nicht nur auf den Kanaren beliebt.

Theoretisch wären laut offizieller Studien zwei Drittel Lanzarotes landwirschaftlich nutzbar. Aber nur in der Theorie, denn in der Praxis machen das trockene Wüstenklima, die stete Erosion und vulkanische Schlacke, die kein Wasser speichert, jegliches landwirtschaftliche Unterfangen zur Sysiphosarbeit. Die Verdunstung im Wüstenklima Lanzarotes ist größer als die kaum so zu bezeichnenden Niederschläge, weshalb ausgeklügelte Bewässerungssysteme von höchster Bedeutung sind.

Die nicht enden wollenden Vulkanausbrüche von 1730 bis 1736 haben ein Viertel Lanzarotes mit blauschwarzer Lava und Asche überzogen, und machten diese Fläche unfruchtbar. Doch die Bewohner Lanzarotes ließen sich nicht unterkriegen, und was ihnen zunächst wie ein furchtbarer Fluch erschien, wurde dann - dank ihrer Erfindungsgabe - zum Segen.

Sie beobachteten nämlich, daß trotz der Trockenheit aus dem verschütteten Boden - durch die Vulkanaschenschicht hindurch - Pflanzen stießen und gediehen. Der Trockenfeldbau ("Secano") war geboren. Daraus entwickelten die Bauern den Enerenado. Bei dieser Methode ist bzw. wird der fruchtbare Boden mit trockenen Basaltprodukten bedeckt. Diese Lavasteinchenschicht hat die Eigenschaft, die Luftfeuchtigkeit zu absorbieren und an den Boden weiterzugeben. Sie schützt auch vor direkter Sonneneinstrahlung und somit vor Verdunstung. Und schließlich vereitelt diese Schicht poröser Vulkansplitter die Erosion durch ab und zu auftretende reißende Niederschläge. Um dem Wind zu wehren, werden um die Pflanzen halbrunde Mauern aus Lavagestein, die "Socos", errichtet. Die Wälle haben noch den zusätzlichen Nutzeffekt, daß sie die Luftfeuchtigkeit kondensieren.

Auf Lanzarote trifft man die "Enarenado natural" und die "Enarenado artificial". Bei ersterer Methode werden in die meterdicke Schicht von vulkanischen Lockerprodukten kunstvoll Trichter, "gerias", gegraben und dann in die fruchbare Erde vor allem Wein sowie Mandel-, Zitrus- sowie Feigenbäume gepflanzt. Bei der "Enarenado artificial"-Methode wird auf den fruchtbaren Boden eine bis zu 30 cm dicke Lapillischicht "Lavagranulat" aufgetragen. Damit wird der gleiche Effekt erzielt. Diese Picónschicht muß allerdings alle 10 bis 20 Jahre erneuert und jedes Jahr zum Pflügen des Bodens abgetragen werden.

Besonders die Gegend um La Geria - genannt nach den Trichtern - ist ein empfehlungswertes Anschauungsobjekt. Links und rechts der Straße reift hier in der Vulkanlandschaft der süffige Malvasierwein heran. Der normale Lanzarotewein ist in der Regel teurer als importierter Wein vom Festland. Aufgrund der geringen Erträge wird er leider immer wieder auf "Trinkstärke" verdünnt und verliert somit an erdiger Vollmundigkeit. Auf jeden Fall lohnt es sich, eh man eine ganze Flasche ordert, die Qualität erst mit einem Gläschen zu probieren.

Die Lanzarotenos selbst gönnen sich zwar gerne das eine oder andere Schlückchen Wein, aber betrunken wird man einen wahren Insulaner selten antreffen. Trunkenheit gilt nämlich als unmännlich und schwach.

Jeder Feriengast erkennt auf den ersten Blick, daß sich die Industrialisierung in der Landwirtschaft Lanzarotes so gut wie nicht durchgesetzt hat. Esel, Dromedare und beinahe archaisch arbeitende Menschen erinnern an Bilder der Bibel, sind eine Augenweide für Ästheten und beliebte Motive für Fotografen, aber sie verraten letzlich, daß die Landwirtschaft auf Lanzarote keine Zukunft besitzt, weil sie gänzlich unökonomisch und der technisch hochgetrimmten Konkurrenz aus den anderen Ländern der EU nicht gewachsen ist.

 

 





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